In der Schweiz arbeiten tausende von Personen ohne Erwerbsstatus im Rahmen der Arbeitslosenversicherung, der Invalidenversicherung, der Sozialhilfe, des Asyls, des Zivildienstes, einer Gemeinnützigen Arbeit gemäss Strafgesetzbuch oder, im Fall der geschützten Werkstätten, mit eingeschränktem Erwerbsstatus. Diese Beschäftigungsverhältnisse werden auf dem Ergänzenden Arbeitsmarkt ausgeübt.

Ihre Besonderheit besteht darin, dass sie vom Staat reguliert werden, der ihre Ausübung erlaubt und ihre vertragliche Ausgestaltung bestimmt. Eine Untersuchung dieser Beschäftigungsformen als Arbeit hat bisher nicht stattgefunden.

Unser Forschungsprojekt verwendet Werkzeuge der Arbeitssoziologie, um den Ergänzenden Arbeitsmarkt in drei Kantonen zu untersuchen :

Wie sehen die unterschiedlichen Erwerbsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse auf dem Ergänzenden Arbeitsmarkt aus?

Führt die Ausweitung des Ergänzenden Arbeitsmarkts zu neuen Formen der Segmentierung des Arbeitsmarktes?

Wenn ja, mit welchen strukturellen, institutionellen und individuellen Folgen?

logo_supsi

Ziele

Das Projekt ist auf eine Dauer von 42 Monaten ausgerichtet und verfolgt drei Hauptziele

Erwerbsbedingungen

Analyse der Beschäftigungsbedingungen anhand einer Dokumentenanalyse aus arbeitsrechtlicher Sicht. Die erste Untersuchungsachse schafft eine Übersicht über die Formen des Arbeitsvertrags, der Dauer des Arbeitsverhältnisses, die Höhe und die Art der Entschädigung und der sozialen Sicherung auf dem Ergänzenden Arbeitsmarkt.

Struktur des Arbeitsmarktes

Analyse der Struktur des Ergänzenden Arbeitsmarktes in den drei untersuchten Kantonen mithilfe einer Dokumentenanalyse und Interviews mit kantonalen Verantwortlichen. Die Achse 2 der Studie erlaubt einen Vergleich des Umfangs und der Zusammensetzung des Ergänzenden Arbeitsmarktes in den drei Kantonen.

Beschäftigungsverhältnisse

Analyse der Beschäftigungsverhältnisse auf dem Ergänzenden Arbeitsmarkt mithilfe zweier Fallstudien pro Kanton mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen und die Organisation dieses Arbeitsmarktes zu erfassen, insbesondere die Beziehungen zwischen Vorgesetzten, Begleitpersonal und Arbeiterinnen und Arbeitern.

Die kombinierte Auswertung der Daten ermöglicht es, in einer kantonsvergleichenden Perspektive fehlende Daten zum Ergänzenden Arbeitsmarkt zusammenzutragen und einen substantiellen Beitrag zu aktuellen Fragestellungen zu leisten: Inwiefern tragen der Staat im Allgemeinen und die Sozialpolitik im Besonderen zur (Neu)Definierung dessen bei, was die westlichen Gesellschaften als “Arbeit” bezeichnen? Mit welchen Auswirkungen auf Segmentierungsprozesse des Arbeitsmarktes?

Kalender

Achse 1
Erwerbsbedingungen

Januar 18 → Dezember 18
Dokumentenanalyse

Achse 2
Struktur des Arbeitsmarktes

Januar 19 → Oktober 19
Datenerhebung

Mai 19 → Dezember 19
Datenanalyse

Oktober 19 → Februar 20
Vergleich der Daten der drei Kantone

Achse 3
Untersuchung zu den Beschäftigungsverhältnissen

Januar 20 → Dezember 20
Beobachtungen und semi-direktive Interviews

April 20 → März 21
Datenanalyse

November 20 → Juni 21
Vergleich der Fallstudien

Team

Dr. Natalie Benelli
Forschungsbeauftragte - Haute école de travail social et de la santé | EESP | Lausanne

Natalie Benelli ist Sozialwissenschaftlerin. Sie hat an der Universität Lausanne promoviert. In ihren Studien interessiert sie sich für Fragen der Arbeitsteilung und Machtverhältnisse in Reinigungsberufen und der Strassenreinigung in der Schweiz, den USA und Italien. Sie hat die Arbeitszuweisung von Menschen ohne Obdach in New York untersucht. Natalie Benelli unterrichtet Sozialpolitik im internationalen Vergleich. Von ihr sind erschienen: Benelli, N. (2017). Le rôle des Business Improvement Districts dans la recomposition des activités de service public à New York, Revue française d’administration publique, 163, pp. 521-530; Benelli, N. (2011-2012). Sweeping the streets of the neoliberal city: racial and class divisions among New York City’s sanitation workers, Journal of Workplace Rights, 16(3-4), pp. 453-474.

Dr. Natalie Benelli
Forschungsbeauftragte - Haute école de travail social et de la santé | EESP | Lausanne
Dr. Morgane Kuehni
Professorin - Haute école de travail social et de la santé | EESP | Lausanne

Morgane Kuehni ist Arbeitssoziologin und seit 2013 Professorin an der Haute école de travail social et de la santé Lausanne (HETS&SA). In ihren Forschungsarbeiten untersucht sie Veränderungen des Arbeitsmarktes im Zusammenspiel mit Sozialpolitik, prekäre Erwerbsformen und Professionen der Sozialen Arbeit. Von ihr sind u.a. erschienen: Kuehni, M. (2018). Des expériences de pauvreté laborieuse dans un contexte d'activation sociale: une perspective de genre. Recherches féministes, 30(2), 81-100; Kuehni, M. (2016). Les miettes du salariat: l'engagement au travail des sans-emploi. Travail, genre et sociétés, 35, 129-148.

Dr. Morgane Kuehni
Professorin - Haute école de travail social et de la santé | EESP | Lausanne
Katja Haunreiter
Professorin - Haute école de travail social et de la santé | EESP | Lausanne

Katja Haunreiter ist Anwältin, Sozialversicherungsfachfrau mit eidgenössischem Fachausweis und Expertin für Arbeitsrecht. Sie unterrichtet seit sieben Jahren im Bachelor und in der Weiterbildung an der Haute école de travail social et de la santé EESP Lausanne. Unter ihren zahlreichen Publikationen zum Themenbereich Arbeitsrecht sind: Le certificat de travail en Suisse. De son élaboration à sa remise: conseils, bases légales et règles utiles, Editions Loisirs et Pédagogie, Lausanne, 2016, sowie ein kürzlich erschienener Artikel zum Ausschluss von ErzieherInnen aus dem Anwendungsbereich des Arbeitsgesetzes: Les éduc', mal aimé-e-s de la loi sur le travail? Actualité sociale, 73, 21-22.

Katja Haunreiter
Professorin - Haute école de travail social et de la santé | EESP | Lausanne
Dr. Spartaco Greppi
Professor - Scuola univerisitaria orofessionale della Svizzera italiana (SUPSI)

Spartaco Greppi ist Professor für Soziale Sicherheit an der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) in Manno. Er leitete Forschungsprojekte zum Sozialstaat, zur Entwicklung flexibler Erwerbsformen und zur Effizienz von Aktivierungspolitik. Seine Veröffentlichungen beinhalten ``Rethinking Social Security``, in L.-P. Rochon, S. Rossi (eds), A Modern Guide To Rethinking Economics, Edward Elgar, 2017; Evaluation du dispositif ``Formazioni brevi``, Bundesamt für Sozialversicherungen, Forschungsbericht, 2017 (mit G. Avilés, M. Bigotta und M. Dif-Pradalier).

Dr. Spartaco Greppi
Professor - Scuola univerisitaria orofessionale della Svizzera italiana (SUPSI)
Dr. Peter Streckeisen
Dozent und Forscher - Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Peter Streckeisen ist Soziologe. Nach dem Studium an den Universitäten Lausanne und Zürich hat er an der Universität Basel promoviert und habilitiert. Er ist Dozent und Forscher im Departement Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW und Privatdozent an der Universität Basel. Seine Forschungsschwerpunkte sind Sozialpolitik, Arbeitsmarkt, Wirtschaftssoziologie und Analyse von Kommodifizierungsprozessen.

Dr. Peter Streckeisen
Dozent und Forscher - Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW)
Antonin Zurbuchen
Forschungsbeauftragter - Haute école de travail social et de la santé | EESP | Lausanne

Antonin Zurbuchen hat seit 2017 einen Masterabschluss in Politikwissenschaften. Er ist Doktorand an der Universität Lausanne. Im Rahmen seiner Doktorarbeit untersucht er unter der Leitung der Professoren Olivier Voirol und Peter Streckeisen den Ergänzenden Arbeitsmarkt, mit speziellem Fokus auf sozioökonomische Aufwertungsprozesse aus der Perspektive der Kritischen Theorie.

Antonin Zurbuchen
Forschungsbeauftragter - Haute école de travail social et de la santé | EESP | Lausanne

Aktuelles

Veranstaltungen

Kontakt

  • Dr Morgane Kuehni, Professorin, Haute école de travail social et de la santé, EESP
  • Dr Natalie Benelli, Forschungsbeauftragte, Haute école de travail social et de la santé, EESP
  • Antonin Zurbuchen, Forschungsbeauftragter, Haute école de travail social et de la santé, EESP
  • Dr Spartaco Greppi, Professor, Scuola univerisitaria professionale della Svizzera italiana, SUPSI
  • Dr Peter Streckeisen, Dozent und Forscher, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, ZHAW